“Die große Verschwörung” will eine Mischung aus politische Gesellschaftssatire und persönlichem Drama sein. Dem Roman gelingt allerdings keines von beidem.
Der Anfang ist ganz amüsant. Schömel beschreibt die politische Arbeit Glabrechts. Der hat eine unglaubliche Distanz zu seiner eigenen Tätigkeit und karrikiert sich eigentlich selbst. Er glaubt als Mitglied der Grünen an gar nichts von dem, was er macht, tut es aber, weil es halt alle machen. Es entsteht der Eindruck, dass alle Akteure auf einer Trendwelle surfen, von der sie bereits wissen, dass sie ins Verderben führt. Der Verlag hat passend dazu noch die Hamburger Elbphilharmonie auf das Cover gedruckt, was natürlich sofort für Parallelen sorgt.
Doch der Stoff für eine politische Satire ist sehr begrenzt. Schon nach kürzester Zeit wendet sich der Autor den privaten Beziehungen seiner Hauptfigur zu. So wird eine zerrüttete Ehe zwischen dem grünen Grabecht und einer TAZ-Journalistin geschildert und im Laufe des Romans natürlich die Affäre zu der jungen Mitarbeiterin aus Norwegen.
Das alles ist sehr Klischee beladen, wird oft extrem derb geschrieben und ist insgesamt weder witzig noch spannend. Stattdessen ist der Verlauf extrem vorhersehbar und Grabecht macht sich mehrmals zum Affen. Die einzige Aussage dieser langen Passagen ist eigentlich, dass Grabecht überhaupt keine Kontrolle mehr über sein Leben hat.
Zum Schluss versucht der Roman noch mal etwas politisch zu werden. Die rot-grüne Koalition in Bremen wird für ihre Fehler abgewählt. Doch das ist so knapp geschrieben, dass es den Roman auch nicht mehr rettet, zumal der Satire-Versuch hier endgültig aufgegeben wird.
Grabecht steht zum Schluss vor einem persönlichen und politischen Scherbenhaufen, den er aufgrund seiner Handlungen letztendlich aber auch verdient hat. Mitleid regt sich mit ihm kaum, zu distanziert war er zuvor, als dass man sich mit ihm identifizieren könnte. Zurück bleibt ein Roman, der ohne Botschaft daher kommt und weder eine gelungene Satire noch eine gelungen Charakterstudie ist.
Permalink (0 Kommentare) Kommentieren
"Das Ende einer Ära" ist der erste Teil eines Dreiteilers, der den Zyklus abschließen soll. Für einen ersten Teil geschieht hier eigentlich relativ viel, zumindest muss ein ganzes System von den Solaren Welten aufgegeben werden. Dennoch erfährt man - wie es sich wiederum für einen ersten Teil gehört - wenig Neues und es wird mehr geredet.
Leider werden mal wieder zwei neue Charaktere eingeführt, die sofort wieder "entsorgt" werden. Doch dem steht eine Sekte gegenüber, die mit einigen bereits bekannten Figuren überrascht.
Die komplette Rezension findet man wie immer auf SF-Radio:
Sternenfaust Band 172 - Das Ende einer Ära (von Thomas Höhl)
Permalink (0 Kommentare) Kommentieren
"Enthüllungen" ist eine Kurzgeschichtensammlung. Die Geschichten spielen zu verschiedenen Zeiten der "Star Trek"-Miniserie. Der deutsche Titel und noch etwas mehr der englische Titel ("declassified") versprechen neue Erkenntnisse zu den Ereignissen der Serie. Diese sucht man allerdings vergeblich.
Stattdessen werden einem drei mäßige, teils sehr vorhersehbare Geschichten und eine sehr gelungene, für die aber ein falscher Aufbau gewählt wurde, präsentiert. Letztendlich hätte man auf die Kurzgeschichten verzichten sollen und gleich die Geschichte um die Raumstation in der Taurus-Region weiterzählen sollen.
Die komplette Rezension ist bei Trekzone zu finden:
Star Trek Vanguard 6 - Enthüllungen (von Dayton Ward, Kevin Dillmore, Marco Palmieri und David Mack)
Permalink (0 Kommentare) Kommentieren
Die einzelnen Beiträge konzentrieren sich dabei in erster Linie auf europäische Länder, das deutet der Untertitel "Europas Sozialdemokratie auf dem Prüfstand" schon an. Trotzdem werden außerhalb Europas die Situation der "Labour"-Parteien in Neuseeland und Australien betrachtet. Es ist jedoch nicht ganz klar, warum zum Beispiel die gerade abgewählten Sozialdemokraten in Portugal oder die Sozialdemokraten in Belgien und Griechenland keine eigenen Beiträge bekommen haben. Die Lösung ist vermutlich, dass man den Rahmen des Buches nicht sprengen wollte.
Für jeden Beitrag wird eigentlich angenommen, dass sich die Sozialdemokratie in dem Land in einer Krise befindet. Zwar dürfte das immer wieder genannte Phänomen "Mitgliederschwund" auch auf die meisten anderen Parteien zutreffen, aber bei allen Beiträgen wird auch deutlich, dass den Sozialdemokraten europaweit ein Ziel beziehungsweise eine Vision fehlt. Während das für konservative Parteien in der Regel kein Problem ist, weil ihre Wähler das nicht erwarten, ist das für Sozialdemokraten, die ihre Anhängerschaft in der Regel dadurch motivieren, ihnen eine Verbesserung der Zustände zu bieten, kritisch.
Die einzelnen Beiträge beschäftigen sich viel und ausführlich mit der Mentalität der jeweiligen Parteien. Bei den schweizer Sozialdemokraten, die von 40% der Großverdiener gewählt werden aber kaum von Arbeitern, sorgt das sogar für den Titel des Beitrags ("Cupli Genossen"). In der Regel wird die Mentalität auch über den Zeitraum der letzten 30, 40 Jahre betrachtet. Dabei kann man für fast jede sozialdemokratische Partei in Westeuropa feststellen, dass sie sich in der Zeit akademisiert hat und von ihrer früheren Zielgruppe entfernt hat. Teilweise empfinden einige Teile der Parteien ihrer früheren Herkunft gegenüber sogar so etwas wie Verachtung.
Natürlich konzentriert man sich nicht nur auf die Mentalität, sondern auch auf die erfolgreichen Zeiten der sozialdemokratischen Parteien. Auch dafür muss man (manchmal weit) in die Vergangenheit zurückblicken. Das ist meist der interessanteste Teil der Beiträge. Schließlich weiß man, welche Partei wann in Deutschland regiert hat. Man weiß das vielleicht auch noch für große Nachbarn, aber bei vielen kleineren Ländern wird die Regierungsgeschichte in Deutschland seltenst vermittelt. Dadurch werden die Beiträge neben den interessanten Krisenanalysen auch zu einer guten Geschichtsaufrischung.
Das Buch ist im Juli 2011 erschienen, ist also gerade einmal etwas mehr als einen Monat alt. Dennoch ist es an verschiedenen Stellen schon überholt. Es wirkt merkwürdig, dass die Stärke der spanischen Sozialdemokratie in ihren lokalen Hochburgen liegt. Die hat sie Ende Mai aber fast alle verloren. Auch der Beitrag zur SPD, der sich in erster Linie mit dem Parteireformprozess beschäftigt und ebenfalls Anfang des Jahres geschrieben wurde, ist schon etwas überholt. Das unterstreicht aber nur die ebenfalls aufgestellte These, dass bei der Sozialdemokratie nichts festgeschrieben ist und allen Prozessen viel Dynamik inne ist.
Was die Beiträge aber alle versäumen, ist eine Bewertung der sozialdemokratischen Politik. In der Regel wird die Krise der Parteien vorrausgesetzt, weil sie alle unter mäßigen bis schlechten Wahlergebnissen, Mitgliederschwund und Ideenlosigkeit aufgrund von Pragmatismus leiden. Dabei wird gut analysiert, warum die Mitglieder von der Parteiführung oft wenig begeistert sind und wie die Parteispitzen dem Pragmatismus fröhnen. Aber es wird nur selten darauf eingegangen, was die Regierungszeit bewirkt. Denn liegt die Krise "nur" daran, dass die Parteien sich von ihren Wurzeln entfernt haben oder auch daran, dass man miserable Regierungsarbeit geleistet hat, die das Land in eine Wirtschaftskrise gestürzt hat? Denn die derzeitige Finanzkrise hätte wohl auch nicht von weniger neoliberalen Sozialdemokraten verhindert werden können, die jetzt aber deswegen in Spanien, Griechenland und Portugal unter Beschuss stehen.
Den Beiträgen wird zum Schluss durch ein Fazit, das den Titel "Spätsommer der Sozialdemokratie" trägt, ein Rahmen gegeben. Es fasst die Probleme der sozialdemokratischen Parteien europaweit zusammen. Der interessanteste Teil findet sich gleich zu Beginn des Textes. Darin wird nämlich erklärt, dass die Sozialdemokraten ihre ursprüngliche Zielgruppe durch ihre Regierungen in den 70er-Jahren gespalten haben. Aus den ehemals "sozial blockierten" wurden Insider und Outsider. Den Insidern ging es durch sozialdemokratsiche Reformen rasch besser und sie konnten aufsteigen (was teilweise wiederum mit einer Entfernung von der Sozialdemokratie einherging), während die Outsider weiterhin keinen Zugang zu Aufstiegsmöglichkeiten hatten, resignierten und sich nicht mehr an der Politik beteiligen. So hat das Ziel von Sozialdemokraten, nämlich mehr Aufstiegsmöglichkeiten zu schaffen, dazu geführt, dass diejenigen die es geschafft haben, sich abwenden und die, bei denen sozialdemokratische Politik versagt hat, resignieren. Das ist eine interessante Beobachtung.
Im Folgenden geht das Fazit, dann auf die sich schon in den vorherigen Beiträgen abzeichnenden Probleme ein. Die geistige Entfernung von den Arbeitern, die Vergreisung und Akademisierung der Mitglieder und fehlender Nachwuchs werden betrachtet. Es folgt ein Abriss möglicher Reformbemühungen, von denen allein keine zu einer Besserung beiträgt. Zurück bleibt ein sehr unklares Bild über die Zukunft. Es werden zwar Ansätze angerisse, zum Beispiel wird darüber nachgedacht, sich eventuelle vom Volksparteienmodell zu verabschieden, um sichbesser auf bestimmte Zielgruppen zu konzentrieren, wirklich bahnbrechende Lösungen finden sich aber nicht. Das Fazit ist letztendlich, dass ein Wiederaufstieg sozialdemokratischer Parteien wohl am Besten durch einen Mix von guter Arbeit auf kommunaler Ebene, wo man noch etwas Macht in den Händen hält, und einer guten Einbindung und Beteiligung der Mitglieder möglich ist. Dabei hängt jeder Reformversuch jedoch von den Akteuren ab, die ihn zulassen. Denn zum Beispiel machen Vorwahlen, bei denen die Parteispitze die Kandidaten schon im Vorraus ausgeküngelt hat, nur wenig Sinn. Und natürlich braucht die Sozialdemokratie wieder so etwas wie eine "Erzählung", eine Art "dritter Weg", der diesmal inhaltlich nicht nur eine Anbiederung an "die Mitte" ist, sondern auch das eigene Kernklientel mitnimmt.
"Genossen in der Krise" ist eine Sammlung von 15 sehr interessanten Beiträgen, die einem einen Einblick in die Mentalität und die Probleme der europäischen sozialdemokratischen Parteien geben. Konkrete Lösungsvorschläge bietet das Buch wenige und es ignoriert auch ein wenig die Taten der Parteien in der Regierung. Dennoch sensibilisiert es dadurch, dass es die parteiinternen und Zielgruppenfehler analysiert, für mögliche Gründe des Niedergangs. Außerdem beschreiben alle Beiträge natürlich auch die Problemlösungsversuche der 15 Parteien. Darunter lassen sich auch einige durchaus interessante Methoden feststellen. Dies und die Einblicke in die jüngere Geschichte der Sozialdemokratie in Europa machen das Buch zu einer interessanten Lektüre.
Permalink (0 Kommentare) Kommentieren
Nach der gescheiterten Mission in Indien kehrt Lilith nach Sydney zurück. Dort hat sich die örtliche Vampir-Sippe zwar zurückgezogen, aber die Diener-Kreatur Leroy Harps zieht noch munter durch London und mordet Frauen. Es dauert allerdings eine ganze Weile, bis Lilith ihm auf die Spur kommt. In der Zwischenzeit werden eine Reihe von Aknüpfungspunkten für zukünftige Geschichten gelegt.
Das liest sich zwar gut, ist aber nicht besonders spannend. Denn wenn Lilith bisher von der Vampir-Sippe nicht besiegt werden konnte, dann wird eine einfach Diener-Kreatur das auch nicht schaffen.
Die ganze Rezension findet man wie immer bei SF-Radio:
Vampira Band 9 - Diener des Bösen (von Adrian Doyle)
Permalink (0 Kommentare) Kommentieren
Jemand greift die Ritter der Grafschaft an. Das sorgt für einen spannenden und temporeichen Roman, denn auch der Leser weiß wenig bis gar nichts über die mysteriöse Vereinigung. Dadurch unterhält der Roman gut, enttäuscht jedoch an den Stellen, an denen antworten oder eine Verschwörung erhofft waren.
Dafür liest sich der Roman gut und bietet gute Anknüpfungspunkte für weitere geschichten. Die komplette Rezension findet man wie immer auf SF-Radio:
Sternenfaust Band 171 - Die Ritter der Grafschaft (von Andreas Suchanek)
Permalink (0 Kommentare) Kommentieren
Der kleine Büchlein von Angelika Nußberger klärt daher erst einmal auf, welche Quellen im Völkerrecht zählen, wie sie entstanden sind und auf welche Akteure sie anspielen. Das geschieht in einfacher und verständlicher Sprache. Auch lateinische Grundsätze des Rechts werden angenehm erklärt.
Danach werden fünf Themenfelder angerissen. Die Frage, wann ein Krieg völkerrechtlich in Ordnung ist, steht dabei verständlicherweise an erster Stelle. Es folgt die Frage, wie Völkerrecht eigentlich durchgesetzt werden kann, wie sich der Menschenrechtsschutz entwickelt hat, wie die Verantwortung einzelner vor dem Völkerrecht aussieht und zuletzt in welchem Umfang der Schutz der Umwelt völkerrechtlich abgesichert ist.
Dabei führt die Autorin immer wieder Beispiele an. Gerade das Kapitel über die Gerichte wie den Internationalen Gerichtshof enden mit einer Reihe von Beispielsfällen, sodass man sich gut vorstellen kann, was die Gerichte eigentlich machen.
Die Autorin weist immer auch auf die Schattenseiten einer Institution hin. So haben zum Beispiel die USA bis heute nicht den internationalen Strafgerichtshof anerkannt, wodurch das Verklagen amerikanischer Staatsbürger nicht möglich ist. Gleichzeitig entzieht die Weigerung einer der mächtigsten Nationen der Welt, den Hof anzuerkennen, demselben natürlich viel Autorität.
Das eher schwache, weil zu ausgewogene Schlusskapitel über die Zukunft des Völkerrechts, lädt dann noch einmal kurz zum Schmuzeln ein. Denn "wären im Jahr 2004 die Europäer zur Wahl zwischen den Kandidaten George Bush und Al Gore aufgerufen gewesen, so wäre wohl Al Gore als Präsident ins Weiße Haus eingezogen." Das mag zwar stimmen, aber auch die Amerikaner hatten diese Wahl 2004 nicht. Dieser kleine Sonderbarkeit täuscht aber nicht darüber hinweg, dass gerade die ersten drei Kapitel (Quellen, Akteure, Krieg und Frieden) sehr lehrreich und dennoch leicht zu verstehen sind.
Das Buch gibt es gerade zum halben Preis bei der bpb.
Permalink (0 Kommentare) Kommentieren
Die beiden Autoren gliedern das Buch in zwei Teile.
Im ersten werden lehrbuchartig die Theorien der internationalen Beziehungen des Realismus, Idealismus, Neorealismus, Liberalismus und Marxismus, Neoinstitutionalismus und Sozialkonstruktivismus erklärt.
Nach einer Einführung und der Erklärung des Realismus und Idealismus, ist jedes Kapitel gleich aufgebaut. Zunächst beschreiben die Autoren wie die Theorie den Ost-West-Konflikt erklärt, dann erklären sie die Haupthypothesen der Theorien und beschreiben dann die geschichtliche Epoche beziehungsweise die Entwicklungen, die von dieser Theorie am Besten erklärt werden.
Diese einheitliche Aufbau und vor allem das (fast schon praktische) Erklären jeder Theorie anhand eines Epochenbeispiels erleichtert den Zugang zu den Theorien. Der erste Teil eignet sich daher auch recht gut zur Einführung in die beziehungsweise zum Auffrischen der Theorien.
Der zweite Teil führt dann die Theorie des Wandels von der nationalen zur postnationalen Konstellationen. Dabei beschreiben die Autoren wie sich vier Grundlagen des Nationalstaates wandeln. Aus nationalen Problemlagen werden zunehmen transnationale Prolbemlagen, aus nationalem Regieren wird zunehmend internationales Regieren und aus nationalen Legitimationsprozessen werden sowohl internationale, transnationale als auch nationale Legitimationsprozesse. Lediglich die Ressourcen würden weiterhin beim Nationalstaat verbleiben.
Für jede dieser Entwicklung gibt es ein Kapitel, in dem die Autoren zunächst ihre Hypothesen für den Wandel vorstellen und sie dann an praktischen Beispielen belegen. Zum Schluss kommen sie dann zu einer Liste von Prämissen und Hypothesen, die bei einer "neuen" Theorie postnationaler Politik aus ihrer Sicht beachtet werden sollten.
Auch im zweiten Teil ist es von Vorteil, dass sie ihre Auslegungen immer mit teils sehr ausführlichen Beispielen belegen. Andererseits wird der Teil dadurch ein wenig zum Überblickswerk über jüngere Konfliktgeschichte. Die aufgestellten Hypothesen sind zwar verständlich, aber in einigen Punkten knapp, nur an Einzelbeispielen und wenig generalisiert erläutert.
Insgesamt ist das Buch jedoch ein angenehmes Überblickwerk über die wichtigsten Theorien der internationalen Beziehungen, den Entwicklungen der Sicherheitspolitik seit den 90er Jahren sowie ihrer Probleme in einer immer globalisierteren Welt mit immer neuen Sicherheitsherausforderungen.
Permalink (0 Kommentare) Kommentieren
Drei jüdische Kinder werden 1944 in ein christliches Internat gebracht, um sie dort zu beschützen. Zwischen dem Juden Bonnett und dem Franzosen Julien entwickelt sich nach anfänglichen Schwierigkeiten eine Freundschaft. Doch die grobe Behandlung eines kriminellen Bediensteten durch die Priester des Internats führt letztendlich zu dem Verrat der Internatsgemeinschaft, zur Entdeckung der Widerstandszelle und zu der Deportation der Juden.
Die oberflächliche Handlung ist leicht verständlich. Der Text ist in die Filmszenen unterteilt, somit sind die Textabschnitte jeweils sehr kurz. Der Film kommt auch mit relativ wenig Dialog aus, sodass man sich jedoch viel hinzudenken muss. Vieles wird einem dann doch erst nach der Lektüre des Nachwortes klar. Das sind einmal Anspielungen auf französische Eigenheiten und Mentalitäten, wie zum Beispiel Andeutungen auf die Resistance oder auf das Verhältnis zwischen Juden und Franzosen.
Außerdem wird die Stimmung des Filmes nicht unbedingt durch den Text wiedergegeben. Das Nachwort spricht von einer beengenden Stimmung, die der Text so nicht erschafft. Natürlich ließt sich das Drehbuch etwas beklemmend, da der Titel schon auf eine Entdeckung hindeutet. Aber die Angst, die Bonnet regelmäßig empfindet, spürt man nicht. Sie wird zwar erwähnt, wirkt aber eher steril. Das dürfte im Film deutlich besser wirken.
Die Tragik ist, dass der Verrat vermeidbar gewesen wäre. Denn nicht nur der Bedienstete, auch die Schüler machen sich einiger Vergehen schuldig. Sie werden jedoch nur sehr unterschiedlich behandelt. Der Verrat wird also durch eine Ungerechtigkeit ausgelöst. Das macht es nicht besser und im Text wirkt der Verrat auch schlimm. Das Nachwort macht aber deutlich, dass der Film durchaus Verständnis für den Verrat aufbauen möchte, da der Bedienstete die ganze Zeit schon als minderwertig betrachtet wurde-
Die Lektüre liest sich über die meiste Zeit ganz nett, ist an einigen Stellen aber etwas langweilig. Wahrscheinlich wäre es besser, einfach den Film zu gucken, anstatt das Drehbuch zu lesen.
Permalink (0 Kommentare) Kommentieren
Er teilt das Buch dabei in vier Teile.
Im ersten Teil werden die von ihm als "klassisch" bezeichneten Demokratietheorien von Aristoteles über Rousseau bis Marx vorgestellt. Es folgen die "mordenen" Demokratietheorien von der Führerdemokratie Max Webers über die "soziale Demokratie" bis hin zur komplexen Demokratietheorie. Aber auch in diesem Teil nimmt sich Schmidt meist ein bis drei Denker, die eine Demokratie erstellt haben und beschreibt und bewertet die Demokratietheorie.
Die ersten beiden Teile des Buches bestechen vor allem durch einen ähnlichen Aufbau. Jedes Kapitel beschreibt zunächst die Grundlage der Theorie, stürzt sich dann auf die Besonderheiten und wägt zum Schluss positive und negative Seiten ab. Dabei zieht Schmidt die verschiedensten Unterstützer, Kritiker und Denker eine Theorie heran, was zu einem immerhin 70-seitigen Literaturverzeichnis führt. Der klare, strukturierte Aufbau erleichtert allerdings mit der Zeit auch den Zugang zu den Theorien, da man die Fragestellungen, die an jede Theorie gelegt werden, schon kennt.
Der dritte Teil wendet sich dann der vergleichendne Demokratieforschung zu. Hier geht es um den Vergleich der parlamentarischen und präsidentiellen Demokratie, der Direktdemokratie oder den Theorien zu Übergängen vom autokratischen zum demokratischen Staat. Diese Kapitel sind immer noch ähnlich aufgebaut, in dem zum Schluss immer die Vor- und Nachteile eines Systemes, Modells oder einer Theorie abgewägt werden. Der letzte Teil befasst sich dann mit den Stärken und Schwächen der Demokratien und macht vor allem deutlich, dass die Demokratie nicht alle Probleme lösen kann und auch nicht nur Vorteile bietet.
Das Buch besticht vor allem dadurch, dass es viele Theorien vorstellt, klar aufgebaut ist und viele Meinunen hinzuzieht. Der Umfang des Buches ist mit 575 recht groß, was Platz für viel Material bietet, sodass es auch zu nicht "populär" bekannten Theorien kommt. Es ist klar aufgebaut, sodass man jedes Kapitel für sich verstehen kann. Vorkenntnisse über die Theorien werden in den ersten beiden Teilen kaum gebraucht. Auch in den vergleichenden und bewertenden Teilen wird vieles, wie zum Beispiel die Typen des parlamentarischen Systems erklärt. Allerdings braucht es hier teilweise Vorwissen zum Beispiel über die EU oder darüber, wie in England gewählt wird. Vor allem zieht Schmidt aber zu jeder Theorien sowohl lobende als auch ablehnende Stimmen hinzu, wodurch man zumindest das Gefühl hat, dass zu jedem Ansatz ein ausgewogenes Bild präsentiert wurde.
Permalink (0 Kommentare) Kommentieren