Gelesen: Labyrinth (von Lois McMaster Bujold)

Die eigentliche Söldner-Geschichte der Novelle ist äußerst unkreativ. Miles greift das Hauptquartier des Kartells mit einigen bewaffneten Leuten an, einiges geht schief und durch seinen Einfallsreichtum kann Miles dann entkommen. Das ist nichts Neues und würde allein nicht ausreichen, um die Novelle spannend zu machen. McMast Bujold würzt die Geschichte jedoch mit zwei interessanten Zutaten.
Erstens gelingt es ihr mit knappen Sätzen die Verflechtungen der verschiedenen Kartelle auf Jackson's Whole zu charakterisieren. Das ist sehr gelungen und sorgt trotz der ernsten Thematik am Ende für viel Schmunzeln. Denn die Verknüpfungen sind enger als gedacht. Miles Vorahnung lässt ihn genau das ausnutzen, sodass dies zum Schluss sein Mittel ist, um dem Planeten zu entkommen. Am Ende der Novelle hat man das Gefühl, einen guten Eindruck über die kriminelle Situation (was gleichbedeutend mit der politischen Situation) auf Jackson's Whole zu haben.
Zweitens wird in der Novelle die Hauptfrage der Serie "Was ist normal?" sehr gut thematisiert. Die ersten Bände der Serie kreisten um Miles Geburt, die durch einen Anschlag äußerst kompliziert war. Er ist daher in vielerlei Hinsicht körperlich beeinträchtigt. Auf dem traditionell geprägten Barrayar wird er daher von vielen wie ein Aussätziger behandelt. Aufgrund seiner großen Willensstärke hat er es dennoch zu viel gebracht. Dennoch ist das natürliche in Thema, bei dem er sehr sensibel ist. Wie bereits in Ethan von Athos unterbleibt eine kritische Diskussion der Gen-Experimente. Das hätte den Rahmen der Novelle gesprengt. Dennoch ist es erschreckend, dass Miles ohne zu Zögern bereit ist das "Tier" zu töten. Berührend ist, wie Miles dann langsam feststellt, dass er es gar nicht mit einem Tier zu tun hat. Aus der Thematik hätte zwar deutlich mehr rausholen können, es ist für eine so kurze Geschichte aber eine gelungene und überraschende Wendung.
So stößt mit dieser Kurzgeschichte mit der genveränderten Taura eine weitere faszinierende Person zu Miles Dendarii. Das ist lohnenswert zu lesen, zumal Bujold mit der Geschichte wieder zeigt, dass auch in der Zukunft Toleranz und Menschlichkeit noch lange nichts selbstverständliches sein werden, sondern immer wieder errungen werden müssen.